Auszubildender Philip Böttner präsentiert sein Gesellenstück „Briccole Di Venezia“ und gewinnt den Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form“

Gute Form und Freisprechung 2017 der Tischler-Innung Hersfeld-Rotenburg, 21.07.2017. Als Ergebnis ihrer 3-jähringen Ausbildung präsentierten die Junggesellen des Tischlerhandwerks in der Zeit vom 11.Juli bis 21. Juli 2017 ihre Gesellenstücke der Öffentlichkeit in der Wendelhalle des Kurhauses Bad Hersfeld. Mit Gedanken, Emotionen und fachlichem Wissen haben Sie aus einem Stück Holz etwas gestaltet, was Ihr erlerntes Handwerk darstellt.

7 Junggesellen konnte Obermeister Ralf Stuckardt, Haunetal-Wehrda, von ihren Pflichten als Auszubildende am 21.07.2017 freisprechen:

  • Philip Böttner, Dippach – Prüfungsbester (K. Horchler & Sohn, Bebra),
  • Marcel Maiworm, Ludwigsau – Zweitbester (Tischlermeister Gerald Michaelis, Bad Hersfeld),
  • Nils Engelhardt, Bad Hersfeld – Drittbester (Tischlerei Thomas Römmelt, Niederaula),
  • Tobias Hollinger, Bad Hersfeld (VIA e.V., Bad Hersfeld),
  • Max Koltermann, Alheim (Heinz Holl Verarbeitungs-GmbH, Rotenburg a.d.F.),
  • Andreas Krekker, Bebra (Vollholz Viereck GmbH, Alheim)
  • Michael Nachtigall, Alheim (Vollholz Viereck, Alheim)

Neben der offiziellen Freisprechung fand ebenfalls der Wettbewerb „Die Gute Form“ auf Innungsebene statt. Der Wettbewerb findet in jedem Jahr statt und die jungen Tischler haben die Möglichkeit, sich durch entsprechende Platzierung sowohl auf Hessenebene als auch auf Bundesebene weiter zu qualifizieren. Die Aufgabe der unabhängigen Jury war es, aus Sicht des Verbrauchers die einzelnen Stücke zu bewerten in Bezug auf Beschaffenheit, Form und Handhabung. Nach Auswertung belegte den 1. Platz Philip Böttner aus Dippach, ausgebildet von der Bau- und Möbelschreinerei Konrad Horchler u. Sohn in Bebra. Sein Sideboard „Briccole Di Venezia“ aus venezianischer Eiche überzeugte durch außergewöhnliche Gestaltung und Material. Den 2. Platz konnte die Jury an Marcel Maiworm aus Ludwigsau, ausgebildet von Tischlermeister Gerald Michaelis aus Bad Hersfeld, vergeben. Maiworm gestaltete einen Barschrank, der durch seine innovative Innengestaltung begeistert. Den 3. Platz vergab die Jury an Nils Engelhardt aus Bad Hersfeld, ausgebildet von der Tischlerei Thomas Römmelt aus Niederaula. Er überzeugte die Jury mit seinem Gesellenstück in Form eines Doppelbettes.

Philip Böttner von der Tischlerei Konrad Horchler & Sohn aus Bebra präsentiert sein Gesellenstück „Briccole Di Venezia“. Ein hochmodernes Sideboard aus Venezianischer Eiche:

Die Idee
Die Grundidee für das Gesellenstück liegt in einem Umdenken etablierter Formgebung für Möbel dieser Art. Aus der Aufteilung in drei Einzelkorpen ergeben sich schöne Möglichkeiten zur Gestaltung mit dem verwendeten Furnier. Mehr Außenflächen bedeutet in diesem Falle mehr Leinwand zur künstlerischen Gestaltung. Generell ist die Verwendung von „Venezianischer Eiche“ mit dieser markanten, charakteristischen Zeichnung/Struktur ein Kernelement der Möbelgestaltung und soll einen Gegenpol zur eher streng symmetrischen Aufteilung der Korpen darstellen. Manchmal ist Weniger mehr, daher wurde die Farbgestaltung auf ein Minimum reduziert.

Die Funktion
Bei dem Gesellenstück handelt es sich um ein Sideboard aus drei Einzelkorpen, welche rückseitig über Stahlgestelle auf einem Sockel abgeständert sind. Die seitlichen Korpen sind symmetrisch, mit einem Einlegeboden und Lochreihe unterteilt. Der mittlere Korpus ist komplett als Schubkastenschrank konzipiert und bietet Platz für drei Englische Auszüge. Im untersten Schubkasten wurde zusätzlich ein doppelter Boden als Geheimfach integriert. Dieses Fach lässt sich durch einen Magnetmechanismus entriegeln.

Die Konstruktion
Alle Korpen sind auf Gehrung verleimt und sämtliche Kanten mit sichtbaren Anleimern aus Eichenholz versehen. Die Korpustüren sind stumpf aufschlagend und die zur Bedienung verwendeten Beschläge bewusst dezent in mattschwarz gehalten. Nichts soll die optische Wirkung des Furnierbildes beeinträchtigen. Um die Natürlichkeit der Materialien zu erhalten, wurde auf die Verwendung einer Lackschicht verzichtet und die Holzoberfläche mit Hartöl veredelt. Die Einlegeböden sowie die Schubkastenböden, der klassisch geführten Englischen Auszüge aus Eiche, sind aus HPL-Vollkernplatte, ebenfalls in schwarz. Die Stahlgestelle wurden verschweißt, verputzt und gegen Korrosion mit Leinöl behandelt. Die Oberflächenstruktur vom Stahl ist so ein passendes Pendant zum verwendeten Furnier.

Das Material
Sie nennen sich „Briccole“, die langen „Stangen“, exklusiv aus Eichenholz. Nach der Gründung von Venedig wurden sie in den Boden der Lagune gerammt, um das Anlegen der Schiffe zu bewerkstelligen und den Gezeitenstand des höchsten und tiefsten Wassers anzuzeigen. Die „Briccole“ sind 12 bis 18 m lang und verbleiben im Meerwasser und Meeresgrund für 20 bis 25 Jahre und sind Angriffen und Korrosion durch Muscheln und Wurmbefall ausgesetzt, welche deren Konsistenz schwächt. Generell korrodieren sie auch in Verbindung mit den Gezeiten und werden dann durch neue Stangen ersetzt. Die Mollusken/Würmer hinterlassen im Stammesinneren typische Gänge und Löcher in verschiedener Form, was auch immer auf die entsprechenden Meerestiefen und Bodentiefen schließen lässt. Die „Briccole“ erhalten so die Farbe von Antik-Eiche in mehr oder weniger intensiver Tönung und bezogen auf die Anzahl der Jahre, welche sie sich unter Wasser in der Lagune befanden. Die daraus resultierende Farbvielfalt und der Facettenreichtum sind ausdrücklich erwünscht. Die rauen Bedingungen des Meeres, wo Wellengang, Salz und Muscheln ihre charakteristischen Spuren hinterlassen, verleihen dem Holz ein wundervolles Erscheinungsbild und eine einzigartige Schönheit.